Nicht nur zu wenig Sport. Wir sitzen auch zu viel.
Wir wissen es eigentlich alle: Bewegung ist gesund.
Und trotzdem sieht ein ganz normaler Bürotag oft ungefähr so aus:
Laptop auf.
Meeting.
Meeting.
Noch ein Meeting.
Mittagessen.
Laptop wieder auf.
Und Bewegung?
Die soll dann bitte irgendwann nach Feierabend stattfinden.
Genau da liegt ein Teil des Problems.
Denn es geht nicht nur darum, dass viele Menschen zu wenig Sport machen. Wir verbringen gleichzeitig auch immer mehr Zeit sitzend.
Die WHO beschreibt Sitzen als sogenanntes sedentäres Verhalten – also Wachzeit mit sehr geringem Energieverbrauch. Dazu zählen Sitzen, Zurücklehnen oder Liegen.
Laut WHO wird unser Alltag unter anderem durch Bildschirmarbeit, Ausbildung und motorisierte Fortbewegung zunehmend sitzender.
Warum langes Sitzen gesundheitlich relevant ist
Viel sitzende Zeit ist bei Erwachsenen mit einem höheren Risiko für:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Typ-2-Diabetes
bestimmte Krebserkrankungen
eine höhere Gesamtsterblichkeit
verbunden.
Gleichzeitig erreichen weltweit rund 31 % der Erwachsenen die Bewegungsempfehlungen nicht.
Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnten es bis 2030 sogar rund 35 % sein.
Das Problem ist nicht nur, dass wir zu wenig Sport machen. Wir verbringen gleichzeitig immer mehr Zeit sitzend.
Was die WHO Erwachsenen empfiehlt
Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens:
150 Minuten moderate Bewegung pro Woche
Zusätzlich sollten Erwachsene regelmäßig muskelkräftigende Aktivitäten einbauen und ihre sitzende Zeit begrenzen.
Aber einer der wichtigsten Punkte wird oft übersehen:
Jede Bewegung zählt. Jede Bewegung ist besser als keine.
Das bedeutet nicht, dass ein paar Schritte zum Kopierer plötzlich ein komplettes Training ersetzen.
Aber Bewegung muss auch nicht immer ein 60-minütiges Workout sein.
Sie kann im Alltag stattfinden.
Bewegung beginnt oft viel kleiner
Zum Beispiel:
beim Telefonieren aufstehen
die Kollegin in der anderen Abteilung persönlich besuchen
die Treppe nehmen
eine Runde ums Gebäude gehen
zwischen zwei Meetings kurz mobilisieren
Wasser holen
regelmäßig bewusst vom Schreibtisch aufstehen
Keine Sportkleidung.
Keine Yogamatte zwischen zwei Schreibtischen.
Einfach: bewegen.
Warum eigentlich nicht fünf Minuten pro Stunde?
Die fünf Minuten pro Stunde sind keine offizielle WHO-Empfehlung.
Aber als einfache Alltagshilfe finde ich die Idee ziemlich sinnvoll:
Nach ungefähr einer Stunde Sitzen einmal aufstehen.
Fünf Minuten gehen.
Bewegen.
Kurz etwas anderes machen.
Und dann weiterarbeiten.
Gesundheitsförderung muss nicht immer kompliziert sein.
Vielleicht müssen wir Bewegung weniger als Hobby nach Feierabend sehen – und mehr als normalen Bestandteil unseres Tages.
Und dann wären da noch unsere Arbeitstools
Teams erinnert uns zuverlässig daran, wann das nächste Meeting beginnt.
Der Kalender erinnert uns an Termine.
Das Smartphone erinnert uns an Nachrichten.
Aber sobald wir uns einmal ein paar Minuten vom Schreibtisch entfernen, verändert sich irgendwann unser Status.
Gelb. Orange. Abwesend.
Und mit etwas „Glück“ kommt sogar die Frage:
„Bist du eh da?“
Vielleicht liegt ein Teil des Problems deshalb gar nicht darin, dass Menschen nicht wissen, dass Bewegung wichtig ist.
Vielleicht haben wir teilweise einfach eine Arbeitskultur geschaffen, in der sichtbares Sitzen stärker mit Produktivität verbunden wird als Bewegung.
Ein Appell an alle, die viel sitzen
Fordert Euch Bewegung im Alltag zurück.
Stellt Euch einen Timer.
Geht rüber statt anzurufen.
Macht Telefonate im Gehen.
Nehmt die Treppe.
Steht regelmäßig auf.
Baut Bewegung bewusst in Euren Arbeitstag ein.
Und ja:
Die empfohlenen 150 Minuten Bewegung pro Woche bleiben trotzdem wichtig.
Ein paar Minuten Bewegung während der Arbeit ersetzen kein Training.
Aber sie können helfen, Bewegung wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört:
in unseren Alltag.
Und an Unternehmen und Führungskräfte
Lasst das zu.
Noch besser:
Macht es normal.
Niemand sollte das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen, weil er während eines achtstündigen Arbeitstages einmal vom Schreibtisch aufsteht.
Vielleicht beginnt betriebliche Gesundheitsförderung manchmal nicht mit dem nächsten großen Gesundheitsprogramm.
Sondern mit einer ziemlich einfachen Botschaft:
Du darfst aufstehen.
Quellen
World Health Organization (WHO): Informationen und Empfehlungen zu Physical Activity & Sedentary Behaviour.

